"Wie man einen Saar-Diamanten entstaubt" 

-  Artikel im Trierer Volksfreund


Konz-Oberemmel · Das Saar-Weingut von Hövel hat Großes vor. Wer ist der neue Gutsdirektor Paul Truszkowski, der sich vorgenommen hat, national und international neue Potenziale zu erschließen?

Von Dirk Tenbrock

KONZ-OBEREMMEL Der Mann sprüht vor Energie. Wer dieser Tage im altehrwürdigen Weingut von Hövel am Ortsrand von Oberemmel im Konzer Tälchen vorbeischaut, spürt schon den Geist des Aufbruchs und der Veränderung. Besitzer und Weinmacher Maximilian von Kunow hat seinen alten Studienkollegen und Freund Paul Truszkowski („gesprochen TruSCHkowski“, wie er in seiner Mail-Signatur schreibt) als neuen Gutsdirektor zu sich an die Saar geholt.

„Um den herausfordernden Zeiten gerecht zu werden, habe ich mir einen ausgewiesenen Fachmann und Vertrauten dazu geholt, damit ich mich auf meine Kernaufgabe, das Weinmachen konzentrieren kann“, sagt der 46-jährige von Kunow, der das Weingut führt, das sich seit 1803 im Familienbesitz befindet. Er selbst werde sich weiterhin um die Außenbetriebe und den Keller kümmern, Paul Truszkowski übernimmt Marketing, Kommunikation und den Vertrieb.

Immerhin 22 Hektar umfassen die Weinberge, darunter die berühmten Lagen Scharzhofberg im benachbarten Wiltingen und die Monopollage Oberemmeler Hütte, die sich im Alleinbesitz von Max von Kunow befindet. Damit gehört das Gut zu den größeren Playern an der Saar, eine Menge Wein will an die Kunden gebracht werden. Da ergeben die Aufgabenteilung, der Ausbau des Vertriebsnetzes und ein modernes Marketing durchaus Sinn.

Seit Anfang Februar arbeiten die beiden Hand in Hand, Truszkowski treffen wir in Oberemmel, wo sie gerade das Abfüllen des herausfordernden Jahrganges 2024 vorbereiten. Von Kunow hatte durch die Nachtfröste im Frühjahr 2024, als viele Triebe erfroren waren, wie viele andere Saar-Winzer auch, keine großen Mengen ernten können.

Er hatte lange gewartet, dass sich die Reben erholten, sehr spät und sehr selektiv gelesen. Und so ist es ihm schlussendlich doch gelungen, zwar geringe Mengen, aber blitzsaubere, feinfruchtige, präzise und elegante Weine in die Flasche zu bringen. Die präsentieren sich bei einer spontanen Verkostung als hervorragende Kollektion zwischen trockenem Gutswein und hochfeiner Auslese. Ein echter „Winzerjahrgang“, wo es auf das Können und die Erfahrung des Weinmachers ankommt.

Neuer Gutsdirektor bei Von Hövel: "Die Saar ist die coole Schwester der Mosel"
Schon im Vorjahr war Von Hövel für die „Kollektion des Jahres“ im Weinmagazin Falstaff
ausgezeichnet worden. "Die Saar ist die coole Schwester der Mosel", sagt er, das zeige sich vor allem in schwierigen Jahren wie 2024. Paul Truszkowski jedenfalls ist stolz auf die 2024er und auf seinen Chef, in der letzten Phase der Vinifizierung konnten sie zusammen noch einige Feinjustierungen vornehmen.

Dabei, so hat es sich in den ersten Wochen der Zusammenarbeit schon gezeigt, habe man durchaus auch mal die eine oder andere Auseinandersetzung gehabt, und das sei auch gut so, befördere den Fortschritt. Und unter alten Freunden sei es auch immer schnell wieder gut zwischen den beiden. Sie kennen sich seit Anfang der 2000er-Jahre, als sie gemeinsam an der renommierten Wein-Uni in Geisenheim studierten. Max als siebte Generation eines bekannten Weingutes und Paul als Sohn polnischer Eltern, die als Mediziner in den Rheingau gekommen waren.

Wie Paul Truszkowski zum Wein kam
Er wuchs in Rüdesheim auf, schon mit vier Jahren hatte er erstmals im Rheingau bei der Lese geholfen. Da war sein Interesse geweckt, Jobs in der Gastronomie und in Wein-Betrieben kamen später hinzu, da war es für ihn folgerichtig und seinen Interessen folgend, nach Geisenheim zu gehen und internationale Weinwirtschaft zu studieren. Er absolvierte Praktika in Österreich, Frankreich und an der Mosel, war ein gelehriger und beliebter Schüler. Und bei der Organisation der heute noch legendären Geisenheimer Semesterpartys der Rhenania-Studentenverbindung freundete man sich an.

In den Nuller-Jahren war Paul Truszkowski einer der Pioniere des Online-Weinhandels, schnell etablierte er sich in der Szene, baute Marken wie „Gourmondo“ oder „Wine in Black“ zu europaweit erfolgreichen Weinhändlern auf und erweiterte sein umfangreiches Netzwerk.

Mittlerweile hat der 41-Jährige die ganze Weinwelt gesehen, der private Kontakt zu Max von Kunow ist dabei eng geblieben, sodass Paul auch immer über die Entwicklung des Weinguts von Hövel auf dem Laufenden war. Er ist mit Julia Klüber, einer weiteren „Geisenheimerin“ verheiratet und hat mit ihr einen achtjährigen Sohn. Gemeinsam leben sie in Berlin, im Zentrum der deutschen Wein-Szene und betreiben gemeinsame Projekte wie „Schluck, das anstößige Weinmagazin“.

Den Spagat zwischen der Saar und der Spree bekomme er gut hin, zu einem Drittel seiner Zeit sei er in Berlin, ein Drittel national und international im Vertrieb unterwegs
und ein Drittel seiner Zeit möchte er in Oberemmel vor Ort sein. In digitalen Zeiten kein Problem.

Wie der neue Gutsdirektor das Weingut in Oberemmel digital vermarktet
Digital sind auch die ersten Erfolge der Arbeit des neuen Kommunikators zu sehen, er hat den Instagram-Kanal @weingut_von _hoevel übernommen und bespielt ihn nun konstant, was schon viele neue Follower gebracht hat. Hier berichtet er einerseits über die Traditionen des Weingutes als Gründungsmitglied des prestigeträchtigen Verbandes
der Prädikatsweingüter (VDP), über die gereiften Rieslinge, die sie in einer neuen Edition aus der Schatzkammer geholt haben, oder über die Mosel (ja, die Mosel, nicht die Saar), deren ehemaliges Bett vor Tausenden Jahren genau durch den einst von Maximiner-Mönchen angelegten Weinkeller führte.

Zudem über den äußerst erfolgreichen Auftritt auf der Düsseldorfer Weinmesse „Pro Wein“ oder eine Masterclass-Probe in Berlin mit Weinkennern und Promis. „Man kann aus Staub keinen Diamanten pressen, aber einen Diamanten entstauben“, sagt Truszkowski. Genau das habe er in Oberemmel vor.

Und den Trend, dass weltweit immer weniger Alkohol konsumiert werde, schreckt ihn das? Nein, sagt er lachend, das ist ja gerade unser Markenzeichen, alkoholarme und
dennoch aromastarke Weine. Das sei ein Pfund, mit dem sie wuchern könnten. Denn auf dem Weingut Von Hövel gelte der Slogan: „Low Alcohol since 1803!“

Wer Paul Truszkowski und Max von Kunow live erleben und mit ihnen probieren möchte, kann das am Wochenende vom 27. bis 29. Juni am Trierer Weinstand oder, und zu dieser Veranstaltung bekennen sie sich eindeutig, beim Saar-Riesling-Sommer am Wochenende vom 30. und 31. August.